Sommerferien - Was tun mit den Kids & Youths?

Aus der Interview-Reihe "Our Experts talk"

Kids sehnen sie lange herbei, für viele Eltern bedeuten sie allerdings eine belastende und organisationsreiche Zeit. Die Sommerferien. Mit der alle Jahre wiederkehrenden Frage: Was tun mit den Kindern?

Nachdem am Freitag, 5. Juli,  auch der Westen Österreichs endlich in die Ferien starten durfte, nehmen wir das Thema zum Anlass, um über Freud und Leid der Sommerferien zu reden. Stefan Kutschera - Top-Lehrtrainer, Kinder- und Jugendcoach, Lebens- und Sozialberater sowie Gesundheitscoach im Institut Kutschera und Vater von drei Kindern spricht im Interview über seine persönlichen Erfahrungen, eine optimale Ferienbetreuung und gibt Tipps, wie man die Kinder gut über den Sommer bringt.

Wie alt sind deine Kinder?
Meine Kinder sind 11, 9 und 7 Jahre alt.

Mit welchem Gefühl gehst du in die Sommerferien? Wie handhabt ihr die Betreuung eurer Kinder? Bekommt ihr Unterstützung von außen (z.B. aus der Familie - Großeltern) oder macht ihr alles alleine?

Ich blicke dem Sommer eigentlich immer mit Freude entgegen. Meine Frau und ich haben das Glück, mit der Betreuung unserer Kinder kein Problem zu haben. Wir können uns das gut aufteilen. Eine Woche verbringen die drei in einem Feriencamp. Während der zwei Wochen, in denen ich Sommer-Kurse durchführe (Anm.: gemeint sind die Kinder- und Jugend-Sommercamps des Institut Kutschera), sind die Kinder bei meiner Frau. Die Firma, in der sie arbeitet bietet über den Sommer Kinderbetreuung an - das ist schon eine große Hilfe. Den Rest des Sommers kann ich mir meine Arbeit erfreulicherweise so einteilen, dass ich die Betreuung der Kinder weitgehend übernehmen kann.

Im Wesentlichen schaffen wir die Betreuung über den Sommer also alleine. Die Großeltern sind zwar da und unterstützen uns auch immer wieder. Aber es geht sich im Sommer eigentlich so ganz gut aus. Die Schwierigkeit ist eher, dass den Kindern schneller fad wird, weil keine Schule ist. Und da heißt es, ein gutes Freizeitprogramm zu haben. Die Herausforderung ist hier oft, einen Plan zu finden, der die Kinder einerseits auslastet, man andererseits als Elternteil aber nicht den permanenten Unterhalter spielen muss.

Wie haben sich die letzten Wochen vor Schulschluss gestaltet?

Wir bemerken schon, dass die Energie der Kinder in den letzten Wochen vor Schulschluss abfällt. Vor allem bei unserem Großen, der ins Gymnasium geht. Die letzten Prüfungen, Stress noch alles gut rüberzubringen und die Hitze haben allen zu schaffen gemacht. Da ist es auf jeden Fall gut, dass jetzt Ferien sind.

Was ist für dich und deine Frau für die Abstimmung der Betreuung wichtig?

In erster Linie Zeit und Organisation. Es ist wichtig, die Aktivitäten im Sommer rechtzeitig zu planen. Wenn man das ein paar Wochen im Voraus macht, geht das ganz gut und wir können entspannter in die Sommerferien gehen.

Wie gelingt euch die Aufteilung als Eltern und wie stellt ihr sicher, dass ihr trotzdem eure Partnerschaft lebt?

Elternmäßig ist es jedenfalls leichter. Da geht es wie gesagt hauptsächlich um Organisation - alles ist durchgetaktet.
Partnerschaftlich braucht es auf jeden Fall Zeit, die man sich bewusst zusammen nehmen muss. Sonst redet man nur mehr über Organisatorisches und abends ist man oft zu müde, etwas gemeinsam zu machen. Es ist aber wichtig, sich kleine Auszeiten zu nehmen. Und wenn es nur eine Stunde ist, die man gemeinsam verbringt - über etwas ganz anderes spricht oder gemeinsam einen Kaffee trinkt. Zum Glück sind unsere Kinder nicht mehr so klein. Von daher gelingt das eigentlich ganz gut.

Welchen Tipp hast du für Familien, die den Sommer „nur als Stress und Belastung“ sehen (zu wenig Urlaub, zu wenig familiäre Unterstützung oder Betreuung zu teuer)?

Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Mit einem Tipp alleine wird Eltern in diesen Situationen nicht geholfen sein. Natürlich ist alles im Wesentlichen eine organisatorische Frage. Wenn Betreuung zu teuer ist und keine zusätzliche familiäre Unterstützung da ist, ist das für Eltern eine besondere Belastung - das ist klar. Auch in partnerschaftlicher Hinsicht stellt dies eine Herausforderung dar. Man ist oft ausgelaugt und tut sich schwer, sich auf den anderen zu besinnen und die Kinder und die Organisation mal außen vor zu lassen.

Was man tun kann, ist sich nach Alternativen umzusehen. Es gibt z.B. Sommercamps, die verhältnismäßig günstig sind und die einem zumindest eine oder zwei Wochen Luft verschaffen.

Generell sollten die Ferien aber - zumindest für die Kinder - eine Zeit sein, in der man ein bisschen runterfährt. Man sollte sich und den Kindern nicht den Stress machen, jeden Tag tausend Sachen machen zu wollen. Denn plötzlich ist der Sommer vorbei und man hat nur die Hälfte geschafft. Das frustriert und löst mehr inneren Stress aus.

Ich komme auch hier wieder auf eine gute Planung zurück. Sie kann auf jeden Fall Abhilfe schaffen. Wir setzen uns zum Beispiel zu Beginn der Ferien mit den Kindern hin und schreiben auf, wer gerne was machen möchte. Manche Aktivitäten plant man dann bereits im Vorfeld und andere lässt man einstweilen auf der Liste. Wenn den Kindern fad wird nimmt man die Liste und arbeitet diese ab. Wir versuchen natürlich so viel es geht gemeinsam als Familie zu machen. In der Zeit in der meine Frau arbeitet, mache ich mit den Kindern alleine was.

Als erfahrener Kinder- und Jugendcoach, welche Themen spielen für dich in dieser Zeit eine übergeordnete Rolle? Was brauchen Kids in den Ferien besonders?

Das Problem in den Ferien ist vielleicht, dass es keinen geregelten Alltag gibt. Das ist zwar einerseits schön und die Kinder genießen das auch. Es ist aber wichtig, dass man für diese Zeit die Regeln neu definiert. Auch für sich als Eltern - dass man da nicht zu starr oder zu strikt ist und den Kindern ein bisschen mehr Freiraum einräumt. Sonst ist man frustriert und permanent am Rumnörgeln.

Ferien brauchen eigene Regeln. Das schließt auch ein, wieviel Zeit man miteinander sein will. Wie viel Zeit verbringt man mit wem? Kinder sollten zudem lernen - dem Alter entsprechend - auch eigene Aktivitäten zu finden und sich mal mit sich selbst zu beschäftigen. Vor allem, wenn keine externe Betreuung oder Kurse und Camps möglich sind. Die Kids sind während der Schulzeit gewöhnt, immer unterhalten zu werden. Hier sollte man Wege finden, wie das in den Ferien kompensiert werden kann. Ohne dass man als Elternteil ununterbrochen unterhalten muss.

Was lernen Kinder und Jugendliche im Kutschera Sommercamp und welche Ziele sind dir als Trainer besonders wichtig zu vermitteln?

Je nach Altersgruppe haben wir unterschiedliche Schwerpunkte und vermitteln die Inhalte dem Alter entsprechend. Übergeordnet liegt der Fokus auf der Stärkung des Selbstbewusstseins und des Sozialverhaltens. Wichtig ist, einen positiven und respektvollen Umgang mit sich und Anderen sowie auch mit der Natur zu lernen.

Je nachdem in welcher Klasse (ob Volksschule, Unter- oder Oberstufe) sie sind, haben Kinder und Jugendliche unterschiedliche Schwierigkeiten zu meistern. Auf diese versuchen wir in unseren Kursen altersgerecht einzugehen.

Der Fokus bei Volksschul-Kindern liegt beispielsweise darauf das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken, mit Leichtigkeit auch mal ein „Nein“ zu akzeptieren, mit Freude die eigenen Sinne zu erkunden und sich in Geduld zu üben. Wir bringen den Kindern auf spielerische Weise bei, bereits früh selbständig Konfliktlösungsstrategien zu entdecken.

Für Kinder in der Unterstufe kommt hinzu, den Zugang zur eigenen Kraftquelle zu finden und neue erfolgreiche Lernstrategien zu entwickeln. Es geht hier auch schon um Prävention von Süchten (Drogen, Alkohol) sowie Mobbing und Bullying - was in dieser Altersgruppe oft ein Thema ist. Es geht auch um ein respektvolles Miteinander mit Eltern, LehrerInnen und FreundInnen. Und darum, mit Veränderungen in der Schule oder zu Hause (z.B. wenn sich die Eltern scheiden lassen) zurecht zu kommen.

Für Jugendliche in der Oberstufe liegt der Fokus einerseits darauf, die Schule erfolgreich abzuschließen und herauszufinden, was man mit seinem Leben machen will. Andererseits geht es darum herauszufinden, was Liebe und gleichwertige Beziehungen bedeuten. Was bedeutet Freundschaft und wie definiert man die Beziehung zu den Eltern in der Phase der Pubertät neu und positiv? Was bedeutet Toleranz gegenüber anderen? Das sind die Fragen, die wir uns ansehen. Auch die Prophylaxe gegen Süchte oder ausgrenzende soziale Gruppierungen (z.B. Sekten, extremistische religiöse Gruppierungen, etc.) ist ein Thema.

Mir als Trainer ist wichtig den Kindern zu vermitteln, dass sie was können, dass sie Talente haben. Und dass sie Möglichkeiten haben, Dinge in die Hand zu nehmen oder zu verändern. Auch wenn sie manchmal nicht veränderbar scheinen (z.B. ein Lehrer der anstrengend ist, wenn es Streit mit den Eltern oder Geschwistern gibt oder wenn das Konzentrieren schwer fällt). Und besonders wichtig finde ich - in unserer heute so stark digital geprägten Welt - dass die Kinder und Jugendlichen lernen, sich auch mal ohne Technik zu beschäftigen, mal offline zu sein - und das auch zu genießen.

Mehr Informationen zum Thema und alle Termine unserer Sommercamps findet ihr unter https://www.kutschera.org/de/kinder-jugendliche.

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